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Jeddelohs Neuer ist Star-Trainer gewohnt
09-11-2021

FUßBALL-REGIONALLIGA: Chris David spricht über seinen Start beim SSV und seine prominenten Förderer

VON LARS BLANCKE

Wer die Liste der bisherigen Trainer des 28-Jährigen liest, der gerät ins Staunen. David hat von einigen Großen Namen des Geschäfts gelernt – und will seine Qualitäten nutzen, um mit dem SSV noch die Aufstiegsrunde zu erreichen.

 

Herr David, nach mehreren Stationen im Profifußball spielen Sie seit fast genau einem Monat für den „kleinen“ SSV Jeddeloh. Fühlen Sie sich wohl?

Chris David: Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Die Jungs sind offen und freundlich, bieten mir ihre Hilfe an oder laden mich abends ein. Das trifft genauso auf die Leute im Verein zu. Ich habe das Gefühl, das ist hier ein sehr familiärer Club. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, das passt also zu mir.

 

Zuletzt haben Sie für die Würzburger Kickers in Liga zwei gespielt, waren aber seit Sommer vertragslos. Wie kamen Sie ins Ammerland?

David: Den Kontakt hat mein Berater hergestellt. Er sagte, in Oliver Reck ist ein in Deutschland bekannter Name der Trainer. Ehrlich gesagt: Ich als Niederländer kannte ihn nicht. Ich habe mich dann über Verein und Coach informiert. Der SSV hatte mich zum Spiel gegen Werder II eingeladen. Ich hatte ein gutes Gefühl und habe mich trotz anderer Angebote für den SSV entschieden.

 

Ist die Regionalliga Nord da nicht ein Rückschritt?

David: Das kann man so sehen. Aber nach der Corona-Zeit haben sich viele Vereine schwer getan, Geld auszugeben. Sie waren vorsichtig – und es gab ja auch viel mehr Spieler, die ablösefrei auf dem Markt waren. Außerdem habe ich zuvor wenig gespielt, in Würzburg waren es nur sieben Partien. Ich habe mir gesagt: Chris, du kannst jetzt zuhause sitzen und warten, dass etwas Höheres kommt. Oder du machst das, weil es für mich das Schönste ist, Fußball zu spielen.

 

Bevor Sie kamen, hat der SSV von acht Partien keine gewonnen. Mit Ihnen in der Startelf sind es nun drei Siege aus den vorigen vier Begegnungen.

David: Zum Glück läuft alles gut (lacht). Ich habe sofort gespielt, das fühlt sich gut an. Ich will der Mannschaft helfen und meine persönlichen Ziele erreichen.


Die da wären?

David: Ich möchte schon gern höher spielen. Der Verein weiß das und hat gesagt, er würde mir keine Steine in den Weg legen, wenn im Winter ein Angebot käme. Aber jetzt habe ich einen Vertrag bis zum Saisonende und bin mit vollem Einsatz beim SSV. Ich gebe alles und will die Aufstiegsrunde erreichen!

 

Dafür muss der SSV mindestens Fünfter werden. An diesem Samstag (14 Uhr) geht es zu Atlas Delmenhorst. Jeddeloh könnte den Tabellenvierten mit einem Sieg überholen.

David: Das wird ein wichtiges Spiel, wenn wir die Aufstiegsrunde erreichen wollen. Wir werden bereit sein – und dann sieht es vor dem Derby gegen den VfB Oldenburg eine Woche später richtig gut aus.

 

Wir müssen über Ihre Ex-Trainer sprechen. Ten Hag, Kluivert, Jol, Magath, Schreuder – jetzt Reck. Was für eine Liste!

David: (lacht) Ja, ich hatte wirklich Glück, mit tollen Trainern zu arbeiten. Von jedem habe ich etwas gelernt.


Wer war der Beste?

David: Für mich war es Erik ten Hag, der jetzt Ajax Amsterdam trainiert. Er holte mich zum FC Utrecht. Er ist ein Top-Trainer, ein echter Fachmann.

 

Martin Jol, früher HSV, hat Sie zum FC Fulham geholt.
David: Er ist wie ein Vater für mich gewesen. Er kennt die Spieler durch und durch. Er ist ganz ruhig und strukturiert. Er weiß genau, was er will.


Jol musste in Fulham gehen, es kam Felix Magath – der „Quälix“, wie er genannt wird.

David: (lacht) Ja, aber ich kann kein schlechtes Wort über ihn sagen. Er hat mich geliebt als Spieler. Ich bin ein ähnlicher Typ Fußballer, wie er es früher war. Ein Linksfuß, offensives Mittelfeld. Er wollte mich immer besser machen. Das hat sehr gut funktioniert mit uns.

 

Sie haben unter Magath ein Premier League-Spiel absolviert, dort das 2:2 gegen Crystal Palace geschossen.

David: Er hat mich sehr gefördert. Ich habe unter Magath auch nach dem Abstieg in Englands 2. Liga viel gespielt. Ich habe immer noch eine gute Beziehung zu ihm, den Kontakt nach Würzburg hat er auch für mich hergestellt.

 

Und wie ist es nun unter Trainer Oliver Reck in Jeddeloh?

David: Er ist ein emotionaler Typ, er geht auf Dich ein und coacht uns sehr gut. Ich mag das. Er und Co-Trainer Daniel Nolan bereiten uns sehr gut vor auf die Spiele. Sie machen uns heiß, so dass wir besser werden wollen. Wir wachsen immer mehr zusammen und sind auf einem guten Weg. Das kann jede Woche immer besser werden.

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Wie  David  von  prominentem  Trainer  zu  Trainer  wechselte
Chris David (28) wurde am 6. März 1993 in Amsterdam geboren und ist aramäischer Abstammung. Nach einem Umzug mit der Familie wurde er in der Jugend in der Fußballschule von Twente Enschede ausgebildet, wo ihn unter anderem der niederländische Ex-Stürmer-star Patrick Kluivert als Coach der Reserve trainierte. 2013 wechselte David zum FC Fulham, dort war zunächst Martin Jol (früher Hamburger SV) und dann Felix Magath (mehrfacher deutscher Meister als Spie- ler und Coach) sein Trainer. 2015 ging es für ein halbes Jahr zurück nach Enschede, dort coachte ihn Alfred Schreuder (früher Cheftrainer TSG Hoffenheim; zuletzt Co-Trainer FC Barcelona). Im August 2015 wechselte David zu den Go Ahead Eagles. 2017 zog er zum FC Utrecht weiter, wo ihn der heutige Ajax-Coach Erik ten Hag trainierte. Im Februar 2019 ging es nach Südafrika zum Cape Town City FC. In der Saison 20/21 kickte der Mittelfeldspieler für die Würzburger Kickers in Liga zwei, Magath hatte den Kontakt hergestellt. Seit Oktober steht David in Jeddeloh unter Vertrag – und hat in Oliver Reck erneut einen prominenten Trainer.

 

 

Quelle: NORDWEST ZEITUNG, NR.259

 



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