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„Wir wollen Meister werden und aufsteigen“
28-09-2022

VON KARSTEN LÜBBEN

 

Gute Angebote blieben aus: CHRIS DAVID (29) wechselte von Jeddeloh II in die 4.türkische Liga. Und freut sich über die Fußballbegeisterung.

Beim SSV Jeddeloh II war Chris David in der vergangenen Saison einer der besten Spieler der Regionalliga Nord. Im Interview mit dem kicker spricht der Niederländer über seine vereinslose Zeit im Sommer, die Ziele mit seinem neuen Klub und die Fans in der Türkei.

Herr David, seit dem Sommer spielen Sie für Yeni Mersin Idmanyurdu. Wie gefällt Ihnen Ihr neues Leben in der Türkei?
Ich bin hier gut angekommen, alle haben mich gut aufgenommen. Mersin ist eine sehr großeStadt mit riesiger Fußballbegeisterung. Der Klub hat vor ein paar Jahren noch in der Süper Lig gespielt, ehe es Probleme mit dem alten Präsidenten gab. Wir wollen Meister werden und aufsteigen. In ein paar Jahren möchte der Klub wieder in der Süper Lig spielen.

Dennoch: Sie wollten Deutschland in der 3.Liga spielen, jetzt spielen Sie in der Türkei in der 4.Liga. Haben Sie sich im Sommer verpokert?
Um ehrlich zu sein, gab es in Deutschland kein gutes Angebot. Ich hatte noch mal in der Regionalliga wechseln können, aber das war für mich nicht interessant. Deshalb habe ich das abgesagt. Vorher war klar, dass es schwierig werden könnte. Auch jetzt sind viele gute Spieler ja noch ohne Verein. Trotzdem hatte ich nach dem guten Jahr in Jeddeloh in Deutschland schon auf mehr gehofft.

War das Geld ausschlaggebend für den Wechsel in die Türkei?
Nein, das hat nicht so eine große Rolle gespielt. Mich hat der Plan hier überzeugt. Wir wollen Meister werden, es ist also Druck da. Das gefallt mir, das brauche ich. Dazu spielen wir in einem Super-Stadion. Ich wollte wieder unter besseren Bedingungen arbeiten. Hier sind alle Profis, wir trainieren jeden Tag, manchmal auch zweimal. Alles ist sehr gut organisiert. Zu den Spielen kommen 10.000 oder 15.000 Fans, so was habe ich vermisst. Die Türken sind sehr fanatisch. Wenn der Gegner den Ball hat und unsere Fans ihnen auspfeifen, verstehst du auf dem Platz kein Wort mehr. Das gibt mir einen Kick.

Klingt nach etwas mehr Atmosphäre als in Jeddeloh II.
Ja, definitiv (lacht). Das hier war eben ein großer Verein in der Vergangenheit. Das spürst du an jeder Ecke. In der Stadt laufen die Leute mit den Trikots des Klubs herum und sprechen einen an. „Du bist doch unsere neue Nummer 10? Schön, dass du da bist! Meld dich bitte, wenn du irgendetwas brauchst!“ Die Menschen hier lieben den Fußball und den Klub. Vor ein paar Tagen war ich hier beim Friseur. Dann hieß es am Ende auch nur: „Nein, du brauchst nicht zu bezahlen. Schieß am Wochenende einfach ein Tor.“ (lacht)
So etwas kannte ich vorher aus Deutschland und den Niederlanden nicht.

Wie kam der Kontakt in der Türkei zustande?
Der Verein hat mich direkt kontaktiert. Bei Instagram haben mir die Fans dann jeden Tag Nachrichten geschickt. Das war schon krass, die wollten mir unbedingt haben. Am Anfang habe ich noch abgewartet, weil ich auf ein Angebot aus der Deutsche 3.Liga oder einer höheren Liga im Ausland gehofft habe. Der Klub hat sich dann aber sehr viel Mühe gegeben, sodass ich zugesagt habe. Mir war es wichtig, dass ich die Vorbereitung mitmachen und die Stadt und die Leute kennenlernen kann.

Wie bewerten Sie das fußballerische Niveau in der Liga?
Der Fußball hier ist schon anders, vieles läuft über Emotionen und Aggressivität. Alles soll immer schnell gehen, taktisch fehlt es da manchmal schon. Bisher läuft es aber gut für mich. Wir sind Tabellenführer, und ich habe schon zweimal getroffen.

Türkische Klubs glänzen nicht immer mit der besten Zahlungsmoral. Klappt diesbezüglich bisher alles?
Ja, diese Geschichten kenne ich auch. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich darauf verlassen können muss. Zum Glück läuft das bisher problemlos. Aber man weiß ja nie, wie es wird, wenn es sportlich vielleicht mal schwieriger wird.

Haben Sie weiterhin Kontakt zu Jeddeloh II?
Ja, am Anfang habe ich in der Vorbereitung ja auch noch einige Male beim SSV mittrainiert und den neuen Trainer Björn Lindemann kennengelernt. Das ist ein sehr sympathischer Mensch und ein guter Trainer. Da hatte ich schon ein gutes Gefühl und dachte, dass ein erfolgreiches Jahr vor Ihnen liegt. Sie haben ja auch starke Spieler verpflichtet. Mit Gentuar Durmishi, Ibo Temin, Kevin Samide oder Marcel Bergmann habe ich auch weiterhin viel Kontakt. Wenn ich an Weihnachten zu meiner Familie nach Enschede komme, werde ich bestimmt mal nach Oldenburg fahren und alle besuchen.

 

Quelle: KICKER 2022

 



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